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Das Gänsemännchen
von Jakob Wassermann (S.Fischer Verlag Frankfurt, 1915) Der Handlungszeitraum dieses umfangreichen Romans erstreckt sich von 1859 bis 1909. Erzählt wird die Lebensgeschichte des Nürnberger Komponisten Daniel Nothafft, der sich aus schwierigsten Anfängen nach oben arbeitet, durch das mehrfache Scheitern seiner Ehen jedoch immer wieder in existenzielle Krisen gerät und schließlich durch einen Brandanschlag auch noch sein kompositorisches Lebenswerk verliert. Der eigenartige Titel des Romans bezieht sich dabei auf die Nürnberger Brunnenfigur des Gänsemännchens - ein Bauer mit zwei Gänsen unterm Arm -, die zunächst als Beschimpfung für den mit zwei Frauen zusammenlebenden Komponisten dient und später Auslöser für dessen veränderte Haltung zum Leben wird. |
Nürnberg - Kornmarkt
Auf dem Kornmarkt in Nürnberg betrieb Jason Philipp Schimmelweis, der Mann von Mariannes Schwester, eine Buchbinderei.
Auf dem Kornmarkt in Nürnberg betrieb Jason Philipp Schimmelweis, der Mann von Mariannes Schwester, eine Buchbinderei.
Nürnberg - An der Museumsbrücke
Jason Philipp Schimmelweis verließ das düstere Kellerloch am Kornmarkt, mietete einen Laden an der Museumsbrücke und eröffnete eine Buchhandlung. Das Ziel jahrelanger Wünsche war erreicht.
Es wurde ein Gehilfe aufgenommen, und Therese saß den Tag über an der Ladenkasse und lernte Geschäftsbücher zu führen.
Jason Philipp Schimmelweis verließ das düstere Kellerloch am Kornmarkt, mietete einen Laden an der Museumsbrücke und eröffnete eine Buchhandlung. Das Ziel jahrelanger Wünsche war erreicht.
Es wurde ein Gehilfe aufgenommen, und Therese saß den Tag über an der Ladenkasse und lernte Geschäftsbücher zu führen.
Nürnberg - Füll
Zwei Wochen später stand er wieder in dem alten Haus auf der Füll. Nun hieß es, der Herr Professor sei heute nicht zu sprechen. Sehr entmutigt, doch um seiner Sache nichts schuldig zu bleiben, kam er nach drei Tagen zum drittenmal und wurde empfangen. Er trat in ein überheiztes Zimmer, in welchem der Professor in einem Lehnstuhl saß, sein Töchterchen, ein Kind von etwa acht Jahren auf den Knien und eine stattliche Puppe im rechten Arm hielt. Die weißen Ofenkacheln waren mit bildlichen Darstellungen aus der Nibelungensage geschmückt, auf Tisch und Stühlen lagen Notenhefte, die Fenster hatten Butzenscheiben, und in einer Ecke befand sich allerlei Gestrüpp, mit Pfauenfedern, farbigen Tüchern und chinesischen Fächern künstlich gruppiert, eine Zusammensetzung, die den Namen Makartbukett trug und in der Mode war.
Zwei Wochen später stand er wieder in dem alten Haus auf der Füll. Nun hieß es, der Herr Professor sei heute nicht zu sprechen. Sehr entmutigt, doch um seiner Sache nichts schuldig zu bleiben, kam er nach drei Tagen zum drittenmal und wurde empfangen. Er trat in ein überheiztes Zimmer, in welchem der Professor in einem Lehnstuhl saß, sein Töchterchen, ein Kind von etwa acht Jahren auf den Knien und eine stattliche Puppe im rechten Arm hielt. Die weißen Ofenkacheln waren mit bildlichen Darstellungen aus der Nibelungensage geschmückt, auf Tisch und Stühlen lagen Notenhefte, die Fenster hatten Butzenscheiben, und in einer Ecke befand sich allerlei Gestrüpp, mit Pfauenfedern, farbigen Tüchern und chinesischen Fächern künstlich gruppiert, eine Zusammensetzung, die den Namen Makartbukett trug und in der Mode war.
Nürnberg - »Bärleinhuter«
Jason Philipp lachte vergnügt und Zwanziger grinste. Dieser besaß in seinem Prinzipal eine Quelle des Witzes, und wenn er am Abend im »Bärleinhuter« oder im »gläsernen Himmel« beim Bier saß, ergötzte er die Zechgenossen mit Schimmelweisschen Geistesblüten und fand vielen Beifall.
Jason Philipp lachte vergnügt und Zwanziger grinste. Dieser besaß in seinem Prinzipal eine Quelle des Witzes, und wenn er am Abend im »Bärleinhuter« oder im »gläsernen Himmel« beim Bier saß, ergötzte er die Zechgenossen mit Schimmelweisschen Geistesblüten und fand vielen Beifall.
Nürnberg - Egidienkirche
Eines Abends stand er vor der Egydienkirche und lauschte der Orgel, die drinnen gespielt wurde. Der eisige Wind blies in seine Rockärmel. Als das Orgelspiel aufhörte, ging er über den Platz und lehnte sich an die Mauer eines Hauses. Er fühlte sich sehr einsam.
Eines Abends stand er vor der Egydienkirche und lauschte der Orgel, die drinnen gespielt wurde. Der eisige Wind blies in seine Rockärmel. Als das Orgelspiel aufhörte, ging er über den Platz und lehnte sich an die Mauer eines Hauses. Er fühlte sich sehr einsam.
Nürnberg - Jakobsplatz
Daniel hatte sich bei dem Bürstenmachersehepaar Hadebusch eingemietet, auf dem Jakobsplatz hinter der Kirche.
Daniel hatte sich bei dem Bürstenmachersehepaar Hadebusch eingemietet, auf dem Jakobsplatz hinter der Kirche.
Nürnberg - Schöner Brunnen
Ihr Bild folgte ihm nach; er sträubte sich gegen die Beunruhigung. Es war ihm dergleichen noch nie passiert; er rief das Bild auf, um es mit kühlem Sinn zu zerstören, es wich nicht, und als er Gertrud eines Tages beim schönen Brunnen begegnete, blieb er wie versteinert stehen und vergaß zu grüßen.
Ihr Bild folgte ihm nach; er sträubte sich gegen die Beunruhigung. Es war ihm dergleichen noch nie passiert; er rief das Bild auf, um es mit kühlem Sinn zu zerstören, es wich nicht, und als er Gertrud eines Tages beim schönen Brunnen begegnete, blieb er wie versteinert stehen und vergaß zu grüßen.
Nürnberg - Burgfreiung
Sie wanderten den Burgberg hinauf und als sie oben an der Brüstung standen, sagte Lenore mit leisem Lachen: »Jetzt weiß ich vom Ungeredeten genug, nun reden Sie was.« »Es tut wohl, mit Ihnen zu schweigen,« erwiderte Eberhard gedrückt.
Sie wanderten den Burgberg hinauf und als sie oben an der Brüstung standen, sagte Lenore mit leisem Lachen: »Jetzt weiß ich vom Ungeredeten genug, nun reden Sie was.« »Es tut wohl, mit Ihnen zu schweigen,« erwiderte Eberhard gedrückt.
Wolframs-Eschenbach
Kopfbild © Norbert Mebert 2025